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Familiengeschichte im Zeitrahl
Bernshausen
Der Ort Bernshausen in Wittgenstein
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Namensforschung

Erkenntnisse zur Namensforschung

bezüglich des Orts- und Familiennamens

Der Ortsname

Werner Wied geht in seinem Artikel „Die Geschichte des Banfetal vom Mittelalter bis zum Beginn der Neuzeit“ auf einen Aufsatz von Dieter Möhn ein, der im Wittgensteiner Heimatbuch unter dem Titel „Wittgensteiner Ortsnamen als Zeugnis seiner Geschichte“ veröffentlicht wurde:

„Außer der urkundlichen Überlieferung

sind für die Altersbestimmung eines Ortes auch archäologische Beweisstücke, also Bodenbefunde, und daran anknüpfende Überlegungen, aber auch die Erkenntnisse der Namenforschung von Bedeutung. [..] „Die überaus zahlreiche Gruppe der hausen- und dorf-Namen in Wittgenstein weist D. Möhn der ersten Ausbauperiode (950 – 1150) zu. Dazu gehören im Banfetal Herbertshausen und Bernshausen. Hier geht der Ortsname auf eine Persönlichkeit, in den meisten Fällen wohl einen Grundherren, zurück, der bei der Landnahme oder der ersten Siedlung eine Rolle spielte. Zwischen den Namen und das angehängte Grundwort –husen fügte sich dann das „s“ des 2. Falles ein. So entstand Bernshausen aus Berinhard-s-husen.“

Eine weitere Erklärung zu

zu der Entstehungsgeschichte des Namens findet sich in dem Dorfbuch des Ortes Bernshausen in Niedersachen. Dieser Beitrag bezieht sich zwar nicht auf „unser“ Bernshausen, kann jedoch meines Erachtens, zumindest teilweise, auf den Ort Bernshausen in Wittgenstein übertragen werden.

[..] „Im Falle Bernshausens

ist Bestimmungswort der zweigliedrige Personenname Bernhard (oder Bernher) und Grundwort das Wort –hausen. Die Bedeutung von Bernhard kann mit tapferer, kühner, kampferprobter Mann wiedergegeben werden, die von Bernher mit Mann des Heeres, Heerführer. Die beiden Bestandteile des Personennamens „bern“ und „hard“ (und auch „her“) waren allgemein gebräuchliche Sprachelemente bei den Germanen, die keinem Stamm exklusiv zugeordnet werden können. Aus dem Wortschatz heraus entstand im germanischen Bereich autochthon der Name Bernhard (und auch Bernher). Bernhard (und auch Bernher) ist sowohl in Reichsfranken als auch in Sachsen zu finden und taucht auch im immedingischen Namensgut auf. Dem Grundwort –hausen wird im sächsischen Bereich in der Regel eine Entstehung in der Zeit vom 8. bis zum 10. Jahrhundert zugewiesen, möglicherweise können einige Orte in die vorchristliche Zeit zurückreichen. Der Impuls für die Entstehung einer Siedlung Bernshausen kann auf die Initiative eines Bernhard (oder Bernher) […] zurückgeführt werden.“ […]

Der Name der Ortschaft Bernshausen

kann vermutlich als Ursprung des Familiennamens angesehen werden. Dass die Familie Bernshausen ursprünglich aus dem gleichnamigen Ort stammt, ist zwar nicht nachzuweisen, aber anzunehmen.

Es ist jedoch sehr bemerkenswert,

dass eine bürgerliche Familie ausschließlich anhand von Kirchenbüchern so weit (über den Dreißigjährigen Krieg hinaus bis weit ins 16. Jahrhundert) zurückverfolgt werden kann. Dies ist nur der Tatsache zu verdanken, dass die Kirchenbücher in Feudingen recht sorgfältig geführt wurden und zudem zu den ältesten in Westfalen zählen.

Viele der Namensträger,

die zunächst in Wittgenstein, und hier vor allem im Raum Feudingen, lebten, zogen später ins Siegerland, um dort Arbeit zu finden – vor allem wohl im Bergbau, der erstmals in einer Urkunde des Königs Adolf von Nassau im Jahre 1298 erwähnt wird, sowie in den zahlreichen Hüttenbetrieben des Siegerlandes.

Ist ein Familienname,

wie in diesem Fall, auch gleichzeitig Ortsname, so wurde dieser häufig deshalb zum Familiennamen, weil in der Fremde (sowohl adlige als auch nicht-adlige) Bewohner nach diesem Herkunftsort benannt wurden. Namensgleichheit einer bürgerlichen Familie mit einem ebenfalls ortsansässigen Adelsgeschlecht ist zwar möglich, von einer verwandtschaftlichen Beziehung kann man jedoch nicht unbedingt ausgehen.

Bei dem vorliegenden Wappen,

zu dem mir derzeit noch keine näheren Angaben vorliegen, könnte es sich auch um ein Berufszeichen bzw. eine Handwerkermarke handeln, wobei die Dreiecks-Darstellungen evtl. auf ein Steinmetzzeichen hinweisen könnten. Mir liegt lediglich eine Kopie des Wappens vor, auf dem Original soll vermerkt sein: „Joh. von Bernshausen, 1420“.


Wappen Joh. von Bernshausen, 1420

Auch wenn sich die Echtheit des Wappens

irgendwann bestätigen sollte, ist eine adlige Herkunft des Johannes aber nicht unbedingt vorauszusetzen, zumal das Wörtchen „von“ vor einem Familiennamen (wie hier vor Bernshausen) dasselbe ist wie das heutige „aus“. Die Farbgebung des Wappens ist bisher nicht bekannt. Auch bei dem bereits im Jahre 1230 genannten Konrad von Bernshausen ist nicht belegt, ob er tatsächlich einem Adelsgeschlecht entstammt, es wird jedoch teilweise in der Literatur vermutet.

Heute ist der Name hauptsächlich

im Wittgensteiner und Siegerländer Raum vertreten, kommt aber vereinzelt auch in anderen Regionen Deutschlands vor. Insgesamt gibt es 191 Einträge im Telefonbuch, die auf den Namen „Bernshausen“ lauten (Stand: 10/05).

In Derbyshire, England, wurden im Jahr 1871

folgende Personen mit dem Familiennamen Bernshausen registriert (1871 England Census):

Arney Bernshausen, geb. ca. 1818

John Bernshausen, geb. ca. 1848

Sinda Bernshausen, geb. 1845



In den USA

sich heute der Familienname in folgenden Bundesstaaten: Texas, Kalifornien, Colorado, Iowa, Illinois, Tennessee, Virginia, Ohio und Massachusetts. In Texas ist der Name am häufigsten vertreten, am zweithäufigsten findet man ihn in Illinois, dann folgen die anderen Bundesländer, hier kommt der Name eher vereinzelt vor.

Da es noch weitere Orte mit dem Namen Bernshausen

und es auch immer wieder – in verschiedenen Zweigen der Familie – die Vermutung geäußert wird, dass die Familie Bernshausen ihren Ursprung in einem in Thüringen ansässigen Adelsgeschlecht habe, hat mich die Neugier „gepackt“ und so habe ich mich mit allen gleichnamigen Orten in Deutschland beschäftigt.

Feststellen konnte ich

bei meinen Recherchen, dass es tatsächlich ein Adelsgeschlecht in Thüringen gibt, aber auch in Niedersachsen und Schwaben. Das schwäbische Adelsgeschlecht war katholisch und nannte sich „Bernhausen“, also ohne das „s“.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann keine Verbindung

zwischen dem Ort Bernshausen in Wittgenstein und den anderen Orten hergestellt werden, wobei es zudem fraglich ist, ob überhaupt jemals eine Verbindung festgestellt werden kann.

Stellenweise

ist der vorstehende Text von Mario Bernshausen, Wetzlar, übernommen worden, da er schon sehr gute Vorarbeit geleistet hatte. Mario Bernshausen hat mir auch die Wappen des Joh. von Bernshausen (1420) und das Wappen des Thüringer Adelsgeschlechts (1339) übermittelt. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön!



Schreibvarianten

Bernshusen, Bernenshusen, Berntshausen, Berntzhausen, Berolzhausen, Berenshausen, Bernshausen

Verbreitungskarte

Verteilung des Namens nach Bundesländern





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Bernshausen in Thüringen