war die Hauptstadt Polens - Warschau. Wir fuhren mit dem D-Zug um 4.40 Uhr ab Weimar und kamen gegen 22.00 Uhr in Warschau - Bahnhof Centralna - an. Dieser imposante Bau mit seinen schönen Warteräumen (überall lief das Fernsehprogramm), Rolltreppen, automatischen Türen und viel Marmor hat uns beeindruckt. Um 22.23 Uhr fuhr unser Personenzug ab Centralna (8 Bahnsteige mit je 2 Gleisen) über Allenstein nach Lyck, unserem nächsten Zielort. Ab Allenstein (3.20 Uhr) wurde es hell und wir konnten bei Sonnenschein die vertraute Landschaft Masurens vom Zuge aus genießen.
Über Ortelsburg,
Rudczany-Nida, Johannisburg, Biala, Drygallen, Pogorzel, Wielka, Baitkowen, Neuendorf und Sybba (Elk, Szyba, Zach.) kamen wir nach Lyck,auf Bahnsteig 1 um 7.36 Uhr. Das Bahnhofsgebäude hat sich etwas verändert, doch Treppen und Tunnel sind noch die gleichen wie zu meiner Schulzeit! Auch der Tunnel zur Siedlung „Lycker Garten“ist noch wie einst in Betrieb und die Kleinbahn fährt auch noch die alte Tour. Durch die ehemalige Bismarckstraße wollten wir zum Marktplatz, der 1975 noch auf dem Viehmarkt an der Danziger Straße abgehalten wurde. Wir ließen uns dann aber zu seinem jetzigen Platz in der Nähe der ehemaligen katholischen Kirche an der Yorckstraße weisen, wo sich viele Leute tummelten und nach dem Angebot Ausschau hielten. Es wurde alles gehandelt von lebendem Geflügel, saurer Sahne, Eiern, Gemüse über neue Mäntel, Jacken, Mützen, Ringe, Bernsteinketten bis zu alten Klamotten und Schuhen!
In den Kasernen
liegt polnisches Militär. Gebäude und Höfe sind sehr ordentlich und sauber.
Auf dem freien Platz (ehem. Königl. Hof)
gegenüber der evangelischen Kirche bettelten Zigeuner. Auch junge Leute dieser Gruppe scheinen keiner Arbeit nachzugehen. Die Kirchen sind gepflegt und werden viel von Betenden besucht.
In ehemals „Stamm’s Terassen“
ist eine Textilfabrik untergebracht. Bei Fleischer Baginski (K-W-Str.) sind im Laden noch die weißen Kacheln an den Wänden. Dort werden jetzt Kohlesäureflaschen gefüllt und repariert.
Der Philosophendamm
wurde abgeflacht und die K-W-Straße angefüllt sowie mit einer Schwarzdecke versehen. Das Fundament vom Grundstück Molgedey wurde geputzt, so dass die Treppenabsätze verschwunden sind, die ich noch vor zwei Jahren fand. Auf der ganzen Fläche wurde eine Grünanlage angelegt.
Die Lycker Zeitung
steht noch und wird genutzt. Desgleichen ist das Landratsamt voll in Ordnung. In der Villa links davor befindet sich eine polnische Dienststelle. Die Krankenkasse steht noch, desgleichen die Mädchenschule. Auch die Feuerwache wird zum gleichen Zwecke genutzt. An der Bismarckstraße (Landwirtschaftsgenossenschaft) wurde ein 10-geschossiges Wohnhaus gebaut. Im Parterre haben Geschäfte und das Reisebüro „Orbis“ Platz gefunden. Der Luisenplatz hat sich kaum verändert. Das Gericht wurde wieder auf- und ausgebaut. Die Hauptpost steht auch noch. Die Molkerei arbeitet auf vollen Touren.
Vor dem Bahnhof links
wurden Haltestellen für Busse angelegt. Fleischerei Jabukzyk in der Bahnhofstraße existiert noch, nur sehr wenig Fleisch im Angebot - wie überall in Polen. - Auf dem Gelände der Goethe-Schule steht eine Kaufhalle. Die Turnhalle des Lyzeums wird als Fabrik genutzt. Daneben steht ein Wohnhaus. Die Villa Lendzian an der Steinstraße steht auch. Die ehemalige Volksbank ist wieder Bank. Gegenüber der früheren Goetheschule (gleich hinter der Werkstatt Gebr. Harke) entstanden neue Wohnhäuser, die mit den Giebeln zur Steinstraße stehen. In der Yorckstraße wurden teilweise neue Wohnhäuser gebaut, doch überall stehen auch noch die alten Häuser.
Die Baptistenkirche (neben Goetheschule)
wird jetzt als evangelische Kirche genutzt. Der Buttermarkt ist jetzt KOM-Station von PKS (Busse-Depot). Die K-W-Straße in Richtung Schützenhaus hat sich teilweise kaum verändert. Im letzten Haus auf der linken Seite befindet sich jetzt eine Bar, wo in der Tageskneipe Hering, Fischfilet gebraten, kalte Hähnchenstücke (Kurzak) und gekochte Eier sowie Weißbrot angeboten wurden. Am Vormittag schliefen etliche betrunkene Männer am Tisch!
Die Grünanlage vor dem Fluß
wird gepflegt. Kleine Bungalows stehen an der ehemaligen Badeanstalt Ohle. Dort darf jedoch nicht mehr gebadet werden, nur noch Ausleihe von Ruderbooten. Die Häuser der K-W-Straße zum See herunter sehen noch so aus wie einst! Uferpromenade und Uferbefestigung wurden erneuert. Die Brücke steht noch wie früher. Das Bootshaus ist weg! Im Schloß haben verschiedene Firmen und Vertragswerkstätten ihr Domizil gefunden. Die Schloßmauer wurde mit staatlicher Genehmigung in Richtung Stadt durchbrochen, damit die Autos an die Gebäude fahren können. Links vor dem Schloß (ehem. Gefängnis) entsteht eine Grünanlage, der Springbrunnen war bereits fertig.
Auf einer Gehwegplatte stand:
„Kunststeinfabrik N. Triebe, Lyck/Ostpr.“ Die Domäne beherbergt einen großen Rinderstall. Die dort Beschäftigten erhalten täglich pro Rind 2 ½ l Milch Deputat. Eine gebürtige Deutsche sprach uns vor dem Schloß an, um sich wieder mal in deutscher Sprache unterhalten zu können. Sie hatte - wie viele deutsche Mädchen - 1945/46 einen Polen geheiratet und blieb dort.
Quelle ...
Die Quelle ist mir leider nicht mehr bekannt. Diesen Bericht hatte ich bereits vor einigen Jahren mal "irgendwo" abgeschrieben, ohne mir weitere Angaben hierzu zu notieren.