Wittgenstein
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Redensarten in Wittgenstein

Die Redensarten und Sprichwörter

sind in den Dörfern Wittgensteins gesammelt worden.

Der Verfasser, Hans Weber, hat diese Redensarten in dem in Bernshausen gebräuchlichen Platt aufgeschrieben, da er diese am besten beherrscht. Mit kleinen sprachlichen Abweichungen dürften aber die meisten Sprichwörter in den meisten Wittgensteiner Ortschaften bekannt sein.

Die Beispiele wurden weitgehendst wörtlich ins Hochdeutsche übertragen. Wo dies nicht möglich war, übertrug der Verfasser frei und sinngemäß. Die von mir hier wiedergegebenen Sprichwörter geben nur einen kleinen Teil aus der Veröffentlichung wieder.



Ausspruch in Wittgensteiner Platt
(hier: speziell in der in dem Ort Bernshausen gebräuchlichen Ausdrucksweise)
Übersetzung ins Hochdeutsche (weitgehendst wörtlich)
Der seit aus wie insen Abreißkalänner am 31. Dezember. Der sieht aus wie unser Abbreißkalender am 31. Dezember.
Jonge, Jonge, derm sei Beld off meim Pe-ifekoab, da kinn ech veer Lache nedd rerchern! Junge, Junge, den sein (dessen) Bild auf meinem Pfeifenkopf, dann könnte ich vor Lachen nicht rauchen!
Dä hoadd e Gesechd wie en zerräessene Haengelkorb. Der hat ein Gesicht wie ein zerrissener Henkelkorb.
Da Abbel fälld nedd weit voam Stamm, ons Schoof doas bleekt nedd weit voam Lamm. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, und das Schaf, das blökt nicht weit vom Lamm.
Woas helf na Sau e goldnes Halsbaond? Sie wälzd sech doch werra eem Mäesd herim. Was hilft einer Sau ein goldenes Halsband? Sie wälzt sich doch wieder im Mist herum.
Ma kao sech nedd mieh vahaole wie oan Mäensche. Man kann sich nicht (nirgends) mehr irren als an Menschen.
Äena läand frieh, da anna nie. Einer lernt es früh, der andere nie.
Kläne Debbcher ho äch Ohrn. Kleine Töpfchen (Kinder) haben auch Ohren.
Jonge sei Jonge, onn wenn se gressa wäan, sei's Saujonge. Jungen sind Jungen, und wenn sie größer werden, sind's Saujungen (Flegel).
Wäa Onkraud see, dä kao nix Gurres äande. Wer Unkraut sät, der kann nichts Gutes ernten.
Med dä Oan, wo ech en anna med hean, hean ech mech säelwa. Mit den Ohren, womit ich einen anderen höre, höre ich mich selber (selbst).
Ma kao so aold wäan wie ne Kuh, ma muss imma och läan dazu. Man kann so alt werden wie eine Kuh, man muss immer noch lernen dazu.
Da däengd ma: "Läegg mech emol!" on steggd en Hondsdräegg ee de Däesche. Dann denkt man: "Leck mich einmal!" und steckt einen Hundedreck in die Tasche.
En Hond beußt sech nedd elao. Ein Hund beißt sich nicht allein.
Immer ees numm annere, wie die Ferkel jung wärn. Immer eins nach dem anderen, wie die Ferkel jung werden (auf die Welt kommen).
Kimma dech nedd im ongeläde Eia, die wäan ohne dech geläd. Kümmere dich nicht um ungelegte Eier, die werden ohne dich gelegt.
De Lasd läid oam Weg: wer se uffhebd, der hodd se. Die Last liegt am Weg, wer sie aufhebt, der hat sie.
En ealeche Noame äes bässa wie boa Gäeld. Ein ehrlicher Name ist besser als bares Geld.
Muss ma dao alles, woas ma wäeß, bräed dreare? Muss man denn alles, was man weiß, breit treten?
Eem Geewe steckt en großa Seje. Im Geben steckt ein großer Segen.
Wäa nix äes on bild sech nix ee, dä äes goanix. Wer nichts ist und bildet sich nichts ein, der ist gar nichts.
Es äs nix, es äs fer wos gutt. Es gibt nichts, das nicht für etwas gut ist.
Wenn sech de Katze awa de Oan wäeschd, da gädd's Besuch. Wenn sich die Katze über den Ohren wäscht, gibt's Besuch.
Ma ka nie so domm dänke, wie's mol komme ka. Man kann nie so dumm denken, wie's mal kommen kann.
Wäa lange wähld, däa endlech fähld. Wer lange wählt, der endlich fehlt.
Batt dersch nedd, so schöed dersch nedd. Hilft dir's nicht, so schadet dir's doch nicht.
"Mer komme derch", säd d'r Paffehäcker Ludwig. "Wir kommen durch", sagte der Paffehecker Ludwig.
So schlämm gädd's naut, 's äes gudd fea aut. So schlimm gibt es nichts, es ist gut für irgend etwas.
Mädche, mach da Loagge, sost bleibste hoagge. Mädchen, mach dir Locken, sonst bleibst du hocken.
E degge Mamme ziat das ganze Haus. Eine dicke Mama ziert das ganze Haus.
A Weiwesbaa äes besser wie zah Zejelstaa. Ein Frauenbein ist besser als zehn Ziegelsteiner (zum Bettenanwärmen).
E Wittchestäner Frao, die alles kao: Gewäsche on gedräche, gebagge on gemehd on dem Mann noch e Hemd genehd, on doas all oa em Moarje.
Eine Wittgensteiner Frau, die alles kann: Gewaschen und gedroschen, gebacken und gemäht und dem Mann noch ein Hemd genäht, und das alles an einem Morgen.
A Frah ka en da Schierze mieh fordtrah, wie en Bauwer mit demm Erntewaaje ehfährt. Eine Frau kann in der Schürze mehr forttragen, als ein Bauer mit dem Erntewagen einfährt.
Weiwesleure Arwet geht von Hänne, awer hott ka Enne Der Weibsleute Arbeit (Frauenarbeit) geht von der Hand, hat aber kein Ende.
Dehäem äes dehäem, on wenn's ee da Holzäegge äes. Daheim ist daheim, und wenn's in der Holzecke ist.
Wer hie der plück ned schärje wäll, dä mürren e Amerika dänse. Wer hier den Pflug nicht schieben will, der muss ihn in Amerika ziehen.
Meer fonne eem Sejerlaand Arwet onn Brot. Wir fanden im Siegerland Arbeit und Brot.
De hässe on de Affe hoadd Goadd zuletzd geschaffe. Die Hessen und die Affen hat Gott zuletzt geschaffen.
Dä suchd oh Fisselinge. Der sucht an Füßlingen (Verbindung mit einem Mädchen).
Madche, dütt de Öje uff, Bestorre äs kenn Pareköf. Mädchen tut die Augen auf, Heiraten ist kein Pferdekaut.
Gudd gefriehstickt helft fean ganze Doag, gudd geäandert easch ganze Joa, gudd bestott feasch ganze Leewe. Gut gefrühstückt hilft für den ganzen Tag, gut geerntet fürs ganze Jahr, gut geheiratet fürs ganze Leben.
Derm sei Fisse basse ned önger mein Dösch. Dem seine Füße passen nicht unter meinen Tisch.
Des Gäld gett sich aus, der Ekel bleibt em Haus. Das Geld gibt sich aus, das Ekel bleibt im Haus.
Mea mächt mei Kindche manch gemiedlich Stindche. Mir macht mein Kindchen manches gemütliches Stündchen.
Kläenna Kässelche honn äach Oan - onn Schnuddcha. Kleine Kesselchen haben auch Ohren - und Schnütchen.
Wenn de Känne klao sei, däengen se da Modda off de Schäaze, on wenn se groß sei, offs Häaze. Wenn die Kinder klein sind, trampeln sie der Mutter auf die Schürze, und wenn sie groß sind, aufs Herz.
Kläaene Känne kläene Last, große Känne große Brust. Kleine Kinder kleine Last, große Kinder große Gebresten (Leiden).
En Noba oa da Haond äes bässa wie en Vawaonde eem weire Loand. Ein Nachbar an der Hand (greifbar) ist besser als ein Verwandter im weiten Land.
Jeres Heische hoad sei Kreuzche. Jedes Häuschen hat sein Kreuzchen.
Haol dech oa dein aole Freund; du wäeßt nedd, woas de oa demm noughe hoast.
Halte dich an deinen alten Freund; du weißt nicht, was du an dem neuen hast.
Woas ma oam Moarje versäumt, kao ma oam Owend nedd eehoalle. Was man am Morgen versäumt, kann man am Abend nicht einholen (nachholen).
E gewerrasche Ärwet; d'r Deiwel seall doch alle Arwet lange!. Eine gewittersche Arbeit! Der Teufel soll doch alle Arbeit holen!
Oarwed ze krije, äes kao Konst, awa ze behaole. Arbeit zu kriegen, ist keine Kunst, aber sie zu behalten.
En gurre Kommandirer es besser wie zwä Arweiter. Ein guter Kommandierer ist besser als zwei Arbeiter.
Besser aut wie naut! Besser etwas als nichts.
Bessa honn wie krieje. Besser haben als kriegen.
Wenn Kuhschäeß Boddda wea, fiehre ma sche ee da Schubkann of de Däsch. Wenn Kuhscheiße Butter wäre, führen wir sie in der Schubkarre auf den Tisch.
Wos gutt es fer de Källe, es aach gutt fer de Hetze. Was gut ist für die Kälte, ist auch gut für die Hitze.
Däemm honn ech emol geweis, woas de Bodda ee Määnz koasd. Dem habe ich einmal gezeigt, was die Butter in Mainz kostet.
Modda, däegg de Bädda off, de Leire winn häem geh. Mutter, deck die Betten auf, die Leuten wollen heim gehen (der Besuch möchte gern nach Hause).
Awwer nü wörd kenn Blos mieh gehörnt, kenn Sträch mieh gesträche, kenn Danz mieh gedanzt, unn de Musik gett heeme. Aber nun wird kein Blas (Ton auf dem Horn) mehr geblasen, kein Strich (auf der Geige) mehr gestrichen, kein Tanz mehr getanzt, und die Musik geht heim.


Quelle

Wittgenstein III, Ein Lesebuch zur Volkskunde und Mundart des Wittgensteiner Landes, herausgegeben im Auftrag eines Arbeitskreises von Gerhard Hippenstiel und Werner Wied, Verlagsgemeinschaft Wittgensteiner Buchhändler, Bad Laaphe, 1984.




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